Training
Pole Dance Trainingsplan: So baust du deine Trainingswoche richtig auf
Von Angie Badlo – Trainingstherapeutin & Pole-Dance-Trainerin

Mehr Training bedeutet mehr Fortschritt – oder?
Gerade wenn du mit Pole Dance anfängst und am liebsten jeden neuen Trick sofort lernen möchtest, ist die Motivation häufig riesig. Vielleicht würdest du am liebsten vier- oder fünfmal pro Woche an die Pole gehen, zusätzlich Krafttraining machen und natürlich auch noch an deiner Flexibilität arbeiten.
Doch mehr Training bedeutet nicht automatisch schnellere Fortschritte.
Ein sinnvoll aufgebauter Pole Dance Trainingsplan berücksichtigt nicht nur, was du trainierst, sondern auch wie häufig, wie intensiv und mit welchem Ziel. Gleichzeitig muss dein Training zu deinem Alltag und deiner aktuellen Belastbarkeit passen.
Denn Fortschritt entsteht nicht dadurch, möglichst viel zu machen, sondern dadurch, die richtigen Reize zu setzen und deinem Körper anschließend die Möglichkeit zu geben, sich daran anzupassen.
Der perfekte Pole Dance Trainingsplan ist individuell
Es gibt nicht den einen Trainingsplan, der für jeden Pole Dancer funktioniert.
Wie deine Trainingswoche aufgebaut sein sollte, hängt unter anderem davon ab,
- wie lange du bereits Pole Dance machst,
- welches Level du aktuell hast,
- welche Ziele du verfolgst,
- wie viel Zeit du realistisch zur Verfügung hast,
- welche anderen Sportarten du betreibst,
- wie gut du regenerierst
- und wie hoch deine Belastung außerhalb des Trainings ist.
Jemand, der gerade seine ersten Climbs und Inverts lernt, benötigt eine andere Trainingsstruktur als eine fortgeschrittene Pole Dancerin, die gezielt an komplexen Combos, Handsprings oder ihrer Performance arbeitet.
Und auch zwei Personen auf demselben Level können völlig unterschiedliche Trainingspläne benötigen.
Dein Trainingsplan sollte sich deinem Leben anpassen – nicht dein gesamtes Leben deinem Trainingsplan.
Gerade als Beginner: Mehr ist nicht immer besser
Am Anfang fühlt sich Pole Dance für den Körper oft komplett neu an.
Plötzlich muss deine Griffkraft dein eigenes Körpergewicht halten. Deine Schultern müssen stabilisieren, dein Core arbeitet in ungewohnten Positionen und dein Körper muss gleichzeitig lernen, verschiedene Bewegungen miteinander zu koordinieren.
Nicht nur deine Muskulatur wird gefordert. Auch Sehnen, Bänder, Haut und dein Nervensystem müssen sich an die neue Belastung gewöhnen.
Deshalb kann es gerade als Beginner kontraproduktiv sein, direkt möglichst viele Trainingseinheiten einzuplanen.
Zu viel Training kann dazu führen, dass du dich ständig müde fühlst, deine Leistung von Einheit zu Einheit schlechter wird oder dein Körper nicht genügend Zeit bekommt, sich an die gesetzten Trainingsreize anzupassen.
Training setzt den Reiz. Regeneration ermöglicht die Anpassung. Beides gehört zusammen.
Wie oft sollte ich Pole Dance trainieren?
Als grobe Orientierung kann folgende Trainingsfrequenz sinnvoll sein:
Beginner: 1–2 Pole-Einheiten pro Woche
In dieser Phase geht es vor allem darum, grundlegende Bewegungsmuster zu lernen, Griffkraft aufzubauen und deinen Körper langsam an die Belastung zu gewöhnen.
Intermediate: 2–3 Pole-Einheiten pro Woche
Mit zunehmender Erfahrung kannst du mehr Trainingsvolumen vertragen und deine Einheiten stärker differenzieren. Beispielsweise kann eine Einheit einen technischen Schwerpunkt haben, während du in einer anderen Combos, Spins oder Kraft trainierst.
Advanced: 2–4 Pole-Einheiten pro Woche
Fortgeschrittene Pole Dancer können ihre Trainingswoche noch spezifischer strukturieren. Allerdings bedeutet auch hier mehr Training nicht automatisch mehr Fortschritt. Intensität, Trainingsvolumen und Regeneration müssen weiterhin zusammenpassen.
Diese Zahlen sind bewusst Orientierungswerte und keine festen Regeln.
Zwei qualitativ hochwertige Einheiten können deutlich effektiver sein als vier Einheiten, in denen du erschöpft versuchst, möglichst viele Tricks abzuhaken.
Was sollte ich als Beginner trainieren?
Gerade am Anfang ist die Versuchung groß, möglichst schnell möglichst viele Tricks zu sammeln.
Eine bessere Strategie ist es jedoch, zunächst eine Basis aufzubauen, auf der spätere Tricks überhaupt sicher funktionieren können.
Dazu gehören beispielsweise:
- grundlegende Pole Grips
- Push- und Pull-Bewegungen
- saubere Climbs
- Pole Sits
- grundlegende Spins
- kontrollierte Inverts bzw. deren Vorbereitung
- Core-Kontrolle
- Schulterstabilität
- Griffkraft
- Körperspannung und Koordination
Viele fortgeschrittene Tricks bestehen letztendlich aus Fähigkeiten, die du bereits in deinen Basics entwickelst.
Je besser diese Grundlagen sitzen, desto leichter kannst du später neue Bewegungen lernen.
Deshalb sollten Basics auch mit zunehmendem Level nicht vollständig aus deinem Trainingsplan verschwinden.
Krafttraining gehört zu einer guten Pole-Basis
Pole Dance selbst baut natürlich Kraft auf. Trotzdem kann ergänzendes Krafttraining dabei helfen, gezielt an Schwachstellen zu arbeiten und die körperlichen Voraussetzungen für schwierigere Tricks aufzubauen.
Besonders wichtig sind unter anderem:
Pull-Kraft
Beispielsweise für Climbs, Inverts und viele kraftbasierte Übergänge.
Push-Kraft
Wichtig für stabile Positionen und insbesondere für Tricks, bei denen du aktiv Druck von der Pole weg erzeugen musst.
Core-Stabilität
Damit du deinen Körper kontrolliert bewegen und Positionen stabilisieren kannst.
Schulterstabilität
Eine wichtige Grundlage für viele Pole-Bewegungen und langfristig besonders relevant, wenn die Belastung steigt.
Griffkraft
Sie entwickelt sich zwar stark durch das Pole Training selbst, kann aber ebenfalls gezielt trainiert werden.
Das Ziel sollte dabei nicht sein, möglichst viele zusätzliche Trainingseinheiten in deine Woche zu quetschen.
Viel wichtiger ist die Frage: Welche körperliche Fähigkeit fehlt mir aktuell, um mein nächstes Ziel zu erreichen?
Genau dort sollte dein ergänzendes Training ansetzen.
So entwickelt sich dein Trainingsplan mit deinem Pole Level
Deine Trainingsstruktur sollte nicht dauerhaft gleich bleiben.
Als Beginner brauchst du zunächst vor allem Wiederholung und Kontinuität.
Du lernst grundlegende Bewegungen und gibst deinem Körper regelmäßig ähnliche Reize. Dadurch werden Bewegungsabläufe vertrauter und deine körperlichen Voraussetzungen verbessern sich.
Mit zunehmender Erfahrung verändert sich der Fokus.
Statt einfach nur „Pole zu trainieren“, kannst du deine Einheiten stärker nach Zielen strukturieren. Eine Trainingswoche könnte später beispielsweise aus unterschiedlichen Schwerpunkten bestehen:
- Technik & Tricks
- Combos & Transitions
- Kraft & Conditioning
- Spinning Pole
- Heels & Flow
- Flexibility oder Mobility
Je höher dein Level wird, desto wichtiger wird es häufig, Prioritäten zu setzen.
Denn irgendwann kannst du nicht mehr gleichzeitig an jedem Trick, jeder Combo, deiner Kraft, Flexibilität, Ausdauer und Performance maximal arbeiten.
Ein guter Trainingsplan entscheidet deshalb nicht nur, was du trainierst – sondern auch, was gerade keine Priorität hat.
Wie sollte eine einzelne Pole Dance Session aufgebaut sein?
Auch innerhalb einer Trainingseinheit hilft Struktur.
Wenn du einen festen Pole Kurs besuchst, wird dir ein großer Teil dieser Planung bereits abgenommen. Gerade als Beginner kann das sehr hilfreich sein, weil du dich nicht jedes Mal selbst entscheiden musst, was du trainieren solltest.
Trainierst du selbstständig, empfehle ich dir, bereits vor dem Training einen groben Plan festzulegen.
Eine Pole Session könnte beispielsweise so aufgebaut sein:
Warm-up
Bereite deinen gesamten Körper auf die Belastung vor und mobilisiere insbesondere die Bereiche, die du in deiner Session benötigst.
Conditioning & Basics
Arbeite an grundlegenden Bewegungen oder an der Kraft, die du für deine aktuellen Ziele benötigst.
Hauptfokus der Session
Jetzt folgt dein eigentliches Trainingsziel. Das können beispielsweise ein bestimmter Trick, eine Technik oder einzelne Elemente einer Combo sein.
Wiederholung & Anwendung
Verbinde bekannte Bewegungen miteinander oder wiederhole Tricks, die du bereits kannst. Nicht jede Trainingseinheit muss ausschließlich aus neuen Elementen bestehen.
Cool-down
Beende deine Session kontrolliert und gib deinem Körper anschließend ausreichend Zeit zur Regeneration.
Plane nicht nur dein Training – plane auch Alternativen
Ein Trainingsplan sollte dir Struktur geben, aber nicht unflexibel sein.
Vielleicht möchtest du heute eigentlich Inverts trainieren, merkst aber bereits beim Warm-up, dass deine Pull-Kraft deutlich schlechter ist als normalerweise. Vielleicht fühlen sich deine Schultern müde an oder dein Körper ist nach einer anstrengenden Woche einfach nicht leistungsfähig genug für eine intensive Trick-Session.
Dann ist es sinnvoll, eine Ausweichoption zu haben. Zum Beispiel:
- Plan A: Inverts und kraftintensive Tricks
- Plan B: Basics, Technik und weniger intensive Combos
- Plan C: Flow, Floorwork, Mobility oder aktive Regeneration
Dadurch musst du nicht zwischen „Training komplett durchziehen“ und „gar nicht trainieren“ entscheiden.
Du kannst deine Belastung an deine aktuelle Tagesform anpassen, ohne dein langfristiges Ziel aus den Augen zu verlieren.
Fortschritt braucht Reize – aber genauso Regeneration
Ein guter Trainingsplan besteht nicht nur aus Trainingstagen.
Regeneration ist ein aktiver Bestandteil deiner Trainingsplanung.
Dein Körper braucht Zeit, um sich von Belastungen zu erholen und sich an neue Trainingsreize anzupassen. Dazu gehören nicht nur trainingsfreie Tage, sondern auch ausreichend Schlaf, eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung und ein sinnvoller Umgang mit zusätzlichem Stress.
Wenn du immer wieder neue Belastungen setzt, ohne deinem Körper genügend Zeit zur Anpassung zu geben, kann irgendwann genau das Gegenteil von dem passieren, was du eigentlich erreichen möchtest: Deine Leistung stagniert oder nimmt sogar ab.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie viel Training kann ich irgendwie in meine Woche packen?“ Sondern: „Wie viel Training kann ich regelmäßig absolvieren und gleichzeitig ausreichend regenerieren?“
Beispiel für den Aufbau einer Trainingswoche
Für einen Beginner könnten beispielsweise ein bis zwei Pole-Einheiten pro Woche zunächst vollkommen ausreichend sein. Mit zunehmender Belastbarkeit kann ergänzendes Kraft- oder Mobilitytraining hinzukommen.
Ein Intermediate Pole Dancer könnte beispielsweise zwei bis drei Pole Sessions mit unterschiedlichen Schwerpunkten einplanen und zusätzlich gezielt an Kraft oder Flexibilität arbeiten.
Im Advanced-Bereich kann die Trainingsfrequenz auf zwei bis vier Pole-Einheiten steigen. Hier wird allerdings die intelligente Verteilung der Belastung besonders wichtig. Vier intensive Kraft- und Trick-Sessions hintereinander sind etwas völlig anderes als vier Einheiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Intensitäten.
Die Anzahl deiner Trainingstage allein sagt deshalb wenig über die Qualität deines Trainingsplans aus.
Fazit: Dein Pole Dance Trainingsplan sollte mit dir wachsen
Gerade am Anfang brauchst du keinen komplizierten Trainingsplan.
Du brauchst eine solide Basis, regelmäßige Trainingsreize und genügend Zeit, damit dein Körper sich an Pole Dance gewöhnen kann.
Beginne mit 1–2 Pole Sessions pro Woche, arbeite konsequent an deinen Basics und baue die körperlichen Voraussetzungen auf, die du für deine nächsten Ziele benötigst.
Mit zunehmender Erfahrung kann deine Trainingsfrequenz steigen und deine Trainingsplanung spezifischer werden.
Der wichtigste Grundsatz bleibt jedoch auf jedem Level derselbe: Trainiere nicht einfach mehr. Trainiere gezielter.
Ein guter Pole Dance Trainingsplan berücksichtigt dein Level, deine Ziele, deine körperlichen Voraussetzungen, deine Regeneration und vor allem deinen Alltag.
Genau deshalb kann derselbe Trainingsplan für eine Person perfekt funktionieren und für eine andere vollkommen ungeeignet sein.
Wenn du das Gefühl hast, viel zu trainieren, aber trotzdem nicht so voranzukommen, wie du möchtest, lohnt es sich deshalb, nicht einfach noch mehr Training hinzuzufügen. Oft ist der sinnvollere Schritt, deine aktuelle Trainingsstruktur genauer anzusehen und herauszufinden, welche Reize du wirklich brauchst, um dein nächstes Pole-Ziel zu erreichen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich als Beginner Pole Dance trainieren?
Als Orientierung reichen 1–2 Pole-Einheiten pro Woche. In dieser Phase geht es darum, grundlegende Bewegungsmuster zu lernen, Griffkraft aufzubauen und Sehnen, Bänder und Haut langsam an die neue Belastung zu gewöhnen — mehr Einheiten sind anfangs oft kontraproduktiv.
Kann ich Pole Dance und Krafttraining kombinieren?
Ja, ergänzendes Krafttraining ist sogar sinnvoll — gezielt dort, wo dir eine Fähigkeit für dein nächstes Ziel fehlt: Pull- und Push-Kraft, Core- und Schulterstabilität oder Griffkraft. Wichtig ist, die Gesamtbelastung im Blick zu behalten statt möglichst viele Einheiten zu stapeln.
Was sollte ich als Beginner zuerst trainieren?
Eine solide Basis: grundlegende Grips, Push- und Pull-Bewegungen, saubere Climbs, Pole Sits, einfache Spins sowie Core-Kontrolle und Schulterstabilität. Viele fortgeschrittene Tricks bestehen aus genau diesen Grundlagen.
Was mache ich, wenn ich an einem Trainingstag keine Kraft habe?
Plane Alternativen ein: Plan A für intensive Trick-Sessions, Plan B für Basics und Technik, Plan C für Flow, Floorwork oder aktive Regeneration. So passt du die Belastung an deine Tagesform an, ohne das Training komplett ausfallen zu lassen.
Aus der Coaching-Praxis
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Du möchtest einen Plan, der zu deinem Level, deinen Zielen und deinem Alltag passt? Im Coaching erstelle ich deinen individuellen Pole-Dance-Trainingsplan — inklusive Betreuung und Anpassung.

Angie Badlo
Trainingstherapeutin, Gesundheitsmanagerin und Pole-Dance-Trainerin im Delia Studio Rosenheim. Mehr über mich
