Technik & Training

Rutschige Stange? Was bei Grip-Problemen im Pole Dance helfen kann

Von Angie Badlo – Trainingstherapeutin & Pole-Dance-Trainerin

Zwei Hände greifen eine Pole im hellen Studio

Du rutschst ständig von der Pole, obwohl ein Trick letzte Woche noch problemlos funktioniert hat? Deine Hände fühlen sich plötzlich rutschig an oder deine Haut scheint überhaupt nicht an der Stange zu haften?

Grip-Probleme gehören im Pole Dance dazu, besonders am Anfang, aber auch bei fortgeschrittenen Pole Dancern.

Die erste Reaktion ist häufig: Ich brauche mehr Gripmittel.

Doch bevor du deine Hände mit der nächsten Schicht Dry Hands einreibst, lohnt es sich herauszufinden, warum du überhaupt rutschst. Denn fehlender Grip kann ganz unterschiedliche Ursachen haben und dementsprechend braucht es auch unterschiedliche Lösungen.

Was beeinflusst deinen Grip beim Pole Dance?

Grip entsteht nicht ausschließlich durch deine Hände. Beim Pole Dance spielen mehrere Faktoren zusammen:

  • deine Griffkraft
  • deine Technik
  • die Temperatur des Raumes und der Pole
  • dein Warm-up
  • dein Hautzustand
  • Schweiß
  • Rückstände auf deiner Haut
  • Verschmutzungen auf der Pole

Wenn dein Grip an einem Trainingstag schlechter ist als sonst, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass du plötzlich weniger Kraft hast.

Schauen wir uns die häufigsten Ursachen genauer an.

1. Die Pole oder der Raum sind zu kalt

Besonders im Winter kennen viele das Problem: Du greifst an die Pole und hast das Gefühl, überhaupt keine Haftung zu bekommen.

Eine sehr kalte Pole kann deutlich rutschiger sein. Gleichzeitig ist deine Haut zu Beginn des Trainings häufig ebenfalls noch kalt und trocken.

Deshalb kann es einen großen Unterschied machen, die Raumtemperatur und deinen eigenen Körper ausreichend aufzuwärmen.

Wenn möglich, sollte der Trainingsraum angenehm temperiert sein. Zusätzlich kannst du während des Warm-ups bereits leichte Übungen an der Pole integrieren und sie so nach und nach ebenfalls etwas erwärmen.

2. Du bist noch nicht richtig aufgewärmt

Ein gutes Warm-up bereitet nicht nur Muskeln und Gelenke auf dein Training vor.

Es kann auch deinen Grip verbessern.

Durch Bewegung steigt deine Körpertemperatur und deine Haut verändert sich. Gerade wenn deine Hände oder deine Haut zu Beginn sehr kalt und trocken sind, kann sich dein Grip nach einigen Minuten Training deutlich verbessern.

Starte deshalb nicht direkt mit deinem schwierigsten Trick.

Nutze dein Warm-up, um deinen gesamten Körper auf Temperatur zu bringen und integriere anschließend einfache Pole Basics oder Conditioning.

Das hat einen zusätzlichen Vorteil: Du merkst bereits bei einfachen Bewegungen, wie sich dein Grip an diesem Tag anfühlt, bevor du dich an schwierigere Tricks wagst.

3. Deine Griffkraft reicht noch nicht aus

Nicht jedes Grip-Problem ist tatsächlich ein Hautproblem.

Manchmal fehlt schlicht die notwendige Griffkraft.

Gerade Beginner verlassen sich häufig sehr stark darauf, dass ihre Haut möglichst gut an der Pole haftet. Bei vielen Bewegungen musst du die Pole jedoch aktiv greifen und Kraft über Hände, Unterarme, Schultern und den restlichen Körper übertragen.

Hier kann ergänzendes Cross Training bzw. Krafttraining sinnvoll sein.

Übungen wie Pull-ups bzw. deren Vorstufen, Dead Hangs, verschiedene Zugübungen und gezieltes Unterarmtraining können dabei helfen, deine Griffkraft langfristig aufzubauen.

Natürlich verbessert sich deine Griffkraft auch durch regelmäßiges Pole Training selbst. Wenn sie jedoch ein klarer limitierender Faktor ist, kann gezieltes Krafttraining deinen Fortschritt unterstützen.

4. Deine Technik stimmt noch nicht

Ein weiterer Punkt, der sehr schnell mit „schlechtem Grip“ verwechselt wird, ist die Technik.

Pole Dance funktioniert nicht dadurch, dass du dich mit maximaler Kraft irgendwie an der Stange festhältst.

Je nach Trick entstehen verschiedene Kontaktpunkte und unterschiedliche Arten von Druck, Zug und Gegenspannung.

Manchmal rutschst du nicht, weil deine Haut zu wenig Grip hat – sondern weil du den benötigten Druck an der falschen Stelle erzeugst oder einen wichtigen Kontaktpunkt nicht richtig nutzt.

Das sieht man beispielsweise bei Knee Hooks, Pole Sits, Split-Grip-Positionen oder verschiedenen Climbs.

Bevor du also immer mehr Gripmittel verwendest, überprüfe:

  • Wo sollte ich bei diesem Trick eigentlich Grip erzeugen?
  • Welche Körperstellen bilden die Kontaktpunkte?
  • Wo muss ich ziehen und wo muss ich drücken?
  • Ist meine Position an der Pole korrekt?

Eine kleine technische Anpassung kann manchmal mehr verändern als jedes Gripmittel.

5. Deine Hände haben ölige Rückstände

Bodylotion, Handcreme, Sonnencreme, Haarprodukte oder andere Kosmetikprodukte können einen dünnen Film auf deiner Haut hinterlassen.

Das kann beim Pole Dance schnell zum Problem werden.

Besonders fetthaltige oder ölbasierte Produkte solltest du deshalb möglichst nicht unmittelbar vor deinem Pole Training verwenden.

Wenn sich deine Hände rutschig oder ölig anfühlen, hilft häufig bereits: Hände gründlich mit Seife waschen und gut abtrocknen.

Achte dabei auch darauf, was du unmittelbar vor dem Training angefasst hast. Manchmal reicht bereits ein Pflegeprodukt oder Haaröl an den Händen, um den Grip deutlich zu verändern.

6. Die Pole ist verschmutzt

Nicht nur deine Haut, sondern auch die Pole selbst kann die Ursache sein.

Gripmittel, Schweiß, Hautfett und andere Rückstände sammeln sich während des Trainings auf der Stange.

Deshalb sollte die Pole regelmäßig gereinigt werden.

Je nach Material der Pole und Herstellerangaben kann dafür beispielsweise Alkohol verwendet werden. Dadurch entfernst du viele Rückstände und hast wieder eine saubere Oberfläche.

Wenn du plötzlich ungewöhnlich stark rutschst, obwohl deine Hände sich eigentlich gut anfühlen, lohnt es sich deshalb immer, zuerst die Pole zu reinigen.

7. Deine Haut ist zu trocken

Das klingt zunächst vielleicht widersprüchlich: Trockene Haut = guter Grip?

Nicht unbedingt.

Sehr trockene Haut kann an der Pole ebenfalls schlecht haften. Besonders an Beinen, Kniekehlen, Ellenbogen oder anderen Kontaktpunkten kann ein guter Hautzustand einen deutlichen Unterschied machen.

Deshalb solltest du deine Hautpflege nicht aus Angst vor schlechtem Grip komplett vernachlässigen.

Im Gegenteil: Langfristig gepflegte Haut kann auch für deinen Pole Grip wichtig sein.

Feuchtigkeitsspendende Produkte wie Aloe-Vera-basierte Pflege oder geeignete Bodylotions können helfen, sehr trockene Haut zu vermeiden.

Der Zeitpunkt ist allerdings entscheidend.

Reichhaltige oder ölige Pflegeprodukte gehören nicht direkt vor dein Pole Training. Nutze sie beispielsweise nach dem Training oder an trainingsfreien Tagen, sodass die Pflege vollständig einziehen kann.

8. Gripmittel können helfen – aber sie lösen nicht jedes Problem

Natürlich haben Gripmittel ihre Berechtigung.

Produkte wie Dry Hands, Monkey Grip oder andere Pole-Grip-Produkte können gerade bei schwitzigen Händen sehr hilfreich sein.

Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass nicht jedes Gripmittel dasselbe Problem löst.

Manche Produkte sollen vor allem Feuchtigkeit reduzieren, andere erhöhen die Haftung. Welches Produkt für dich funktioniert, hängt deshalb unter anderem von deiner Haut und davon ab, warum du rutschst.

Wenn dir beispielsweise die Griffkraft fehlt oder deine Technik nicht stimmt, wird auch das stärkste Gripmittel das eigentliche Problem nicht beheben.

Gripmittel sollten deshalb ein Hilfsmittel sein – kein Ersatz für Technik und Kraft.

Was tun, wenn du beim Pole Dance ständig rutschst?

Statt direkt mehr Gripmittel aufzutragen, kannst du dein Grip-Problem Schritt für Schritt überprüfen:

Ist die Pole sauber?

Reinige sie gegebenenfalls entsprechend den Herstellerempfehlungen, beispielsweise mit Alkohol.

Sind deine Hände sauber?

Wasche Rückstände von Cremes, Ölen oder anderen Produkten gründlich ab.

Bist du richtig aufgewärmt?

Bringe deinen gesamten Körper auf Temperatur und integriere leichte Übungen an der Pole.

Ist die Pole sehr kalt?

Achte auf die Raumtemperatur und gib der Pole während des Warm-ups Zeit, etwas wärmer zu werden.

Ist deine Technik korrekt?

Überprüfe deine Kontaktpunkte sowie Push, Pull und Gegenspannung.

Fehlt dir Griffkraft?

Dann kann gezieltes Pole Conditioning oder ergänzendes Krafttraining sinnvoll sein.

Wie ist dein Hautzustand?

Sehr trockene Haut kann genauso problematisch sein wie fettige oder verschwitzte Haut.

Brauchst du tatsächlich ein Gripmittel?

Wenn die anderen Faktoren stimmen, kann ein passendes Gripprodukt die zusätzliche Unterstützung liefern, die dir noch fehlt.

Deine Hautpflege gehört ebenfalls zu deinem Pole Training

Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist die langfristige Hautpflege.

Aus Angst vor rutschiger Haut komplett auf Bodylotion zu verzichten, ist nicht unbedingt die beste Lösung. Besonders wenn deine Haut dadurch zunehmend trocken und spröde wird, kann dein Grip sogar schlechter werden.

Pflege deine Haut deshalb regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Produkten, zum Beispiel mit Aloe-Vera-Produkten oder einer geeigneten feuchtigkeitsspendenden Lotion.

Plane deine Hautpflege einfach sinnvoll um dein Training herum:

  • Vor dem Pole Training: keine öligen oder reichhaltigen Pflegeprodukte auf den benötigten Kontaktflächen.
  • Nach dem Training: Haut reinigen und pflegen.
  • An trainingsfreien Tagen: regelmäßige Feuchtigkeitspflege, insbesondere wenn deine Haut zu Trockenheit neigt.

So musst du dich nicht zwischen gepflegter Haut und gutem Pole Grip entscheiden.

Fazit: Schlechter Grip hat nicht nur eine Ursache

Wenn du an der Pole rutschst, ist die Lösung nicht automatisch mehr Gripmittel.

Dein Grip wird von deiner Haut, Griffkraft, Technik, Körper- und Raumtemperatur, deinem Warm-up und der Sauberkeit der Pole beeinflusst.

Versuche deshalb herauszufinden, welcher Faktor bei dir gerade das Problem verursacht.

Eine saubere und ausreichend warme Pole, ein gutes Warm-up, saubere Hände und ein gesunder Hautzustand schaffen zunächst die richtigen Voraussetzungen.

Darauf bauen Technik und Griffkraft auf.

Und wenn du dann noch etwas zusätzliche Unterstützung benötigst, können Gripmittel wie Dry Hands oder Monkey Grip sinnvoll eingesetzt werden.

Guter Grip bedeutet nicht, sich irgendwie fester an der Pole festzuklammern. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Haut, Kraft, Technik und den richtigen äußeren Bedingungen.

Wenn du also beim nächsten Training wieder das Gefühl hast, dass die Pole heute einfach „zu rutschig“ ist, überprüfe zuerst die Ursache, bevor du zur nächsten Schicht Gripmittel greifst.

Häufige Fragen

Warum rutsche ich plötzlich von der Pole, obwohl es letzte Woche noch ging?

Meist hat sich einer der äußeren Faktoren verändert: Die Pole oder der Raum sind kälter, die Stange ist verschmutzt, auf deinen Händen sind Rückstände von Pflegeprodukten oder du bist noch nicht richtig aufgewärmt. Prüfe diese Punkte der Reihe nach, bevor du das Problem bei deiner Kraft suchst.

Welches Gripmittel ist das beste für Pole Dance?

Das hängt davon ab, warum du rutschst. Manche Produkte reduzieren vor allem Feuchtigkeit (hilfreich bei schwitzigen Händen), andere erhöhen die Haftung. Fehlt dir dagegen Griffkraft oder stimmt die Technik nicht, löst kein Gripmittel das eigentliche Problem.

Schadet Bodylotion meinem Pole Grip?

Nur, wenn sie direkt vor dem Training aufgetragen wird. Langfristig ist gepflegte Haut sogar wichtig für guten Grip, denn sehr trockene Haut haftet schlecht. Nutze reichhaltige Pflege nach dem Training oder an trainingsfreien Tagen.

Wie reinige ich die Pole richtig?

Je nach Material und Herstellerangaben eignet sich beispielsweise Alkohol, um Gripmittel-, Schweiß- und Fettrückstände zu entfernen. Wenn du ungewöhnlich stark rutschst, lohnt es sich, immer zuerst die Stange zu reinigen.

Aus der Coaching-Praxis

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Angie Badlo

Angie Badlo

Trainingstherapeutin, Gesundheitsmanagerin und Pole-Dance-Trainerin im Delia Studio Rosenheim. Mehr über mich

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